Der Künstler
Dietmar E. Hofmann - Leitmeritz - dafür steht D.E.H.L.
geb. 06. Juni 1944 in Leitmeritz/CR
gest. 24. Februar 2020 in Kaiserslautern/D
1944, genau an dem Tag, als in Frankreich die Invasion gegen Deutschland begann, wurde Hofmann in Leitmeritz im Sudetenland geboren. Ein malender Onkel und eine Kinderbücher schreibende und malende Tante waren mit dafür ausschlaggebend, daß er die Künstlerlaufbahn einschlug und ab 1959 an der Kaiserslauterer Meisterschule bei den Professoren Schaurer und Straub Gebrauchsgraphik studierte~ Mit 18 Jahren hatte er dann eine religiöse Phase, beschäftigte sich viel mit christlichem Gedankengut und trat dem Franziskanerorden bei. Unschlüssig war er sich darüber, ob er in ein Kloster gehen oder sich weiterhin künstlerisch betätigen sollte. Er entschied sich für das Leben als Künstler.
Vielleicht aber sind die mystischen Stimmungen, die von seinen Bildern ausgehen, Reminiszenzen an die religiösen Empfindungen jener Zeit.
Von 1962 bis 1966 besuchte er die Freie Akademie Mannheim. Dort erhielt er von seinen Lehrern Magin, Berger-Bergner und Nagel wichtige Impulse das nötige Handwerkszeug für seine späteren Arbeiten.
Bald entdeckte Hofmann ein ausgesprochenes Faible für fotographisch exaktes Zeichnen und experimentierte viel und gern mit Materialbildern aus Holz und Stein herum. Seinen unverwechselbaren Stil fand er allerdings erst mit den Jahren.
Daneben betrieb der Maler zuerst in Mackenbach (Rheinland-Pfalz) eine "MiniGalerie", in der etliche seiner farbenfrohen Blätter bewundert werden konnten. Später erwarb er einen stillgelegten Bahnhof in Eschenau (Rheinland-Pfalz), wo er fortan sein Atelier, seine Galerie und auch seine Kunstakademie betrieb.
Dietmar E. Hofmann, ein. talentierter Künstler, der gleichermaßen durch handwerkliches Können wie durch seinen Ideenreichtum beeindruckt.
Meine persönliche Geschichte zu D.E.H.L.
Da ich als Neffe das außerordentliche Glück habe, mich um seinen Nachlass kümmern zu dürfen, erinnere ich mich immer wieder gerne daran, wie ich ihn als Kind und Heranwachsender in Rheinland-Pfalz besucht habe.
Die Besuche (meist in den Ferien) wurden immer mit dem Besuch der Großeltern verknüpft, die wir (meine Mutter und meine beiden Schwestern) immer liebevoll Omi genannt haben. Meine Omi und mein Opa wohnten in Kaiserslautern. Zu meinem Onkel war es nicht weit entfernt, so dass wir ihn und seine Familie (seine Ehefrau Eeva und die drei Kinder, Birgit, Tanja und Anika) dann besucht haben. Anfangs wohnte er noch in einem kleinen, typisch ländlichen Dorf in Mackenbach. In seinem Haus war sowohl seine Kunstwerkstatt als auch seine Galerie. Ich kann mich erinnern, dass es bei meinem Onkel immer recht locker, lustig und teils auch chaotisch zuging. Der große Garten erlaubte uns, an diversen Obstbäumen zu naschen, in allen möglichen Behältern haben wir uns im Sommer abgekühlt und im Herbst ging es zusammen mit dem Opa auf Pilzsuche, mit einer sehr großen Ausbeute.
Auch seine Kinder hatten immer viel Freiraum und stellten allerhand Schabernack an, wie z.B. das Bemalen der weißen Tapete im ganzen Haus. Was mein Onkel als kreative Ader der Kinder vermerkte.
Mein Onkel zog sich sehr oft zurück, um seine Werke zu erstellen. Da hat man tagelang nichts von ihm gesehen oder gehört, so vertieft war er in seine Arbeit. Die Ergebnisse beeindruckten auch uns Kinder.
Er war also ein sehr talentierter, kreativer und engagierter Mensch, der nicht nur seine Kunst liebte, sondern auch das Drumherum, wie die Kinder, die Familie und seine Mitmenschen. Diese, seine Art, ermöglichte ihm, dass er von seiner Kunst leben konnte. Es war keine Brotlose Kunst, sondern sein Lebenswerk. Gerade sein Enthusiasmus begeisterte uns Kinder, denn dieser war regelrecht ansteckend.
Das Ganze wurde dann noch einmal verbessert und größer, als er sich in einem weiteren kleinen Dorf in Rheinland-Pfalz, nämlich in Eschenau, den Traum von einem eigenen Bahnhof erfüllte.
Dort schuf er sich ein separat stehendes Atelier und im großen Hauptgebäude eine Galerie. Diese nannte er liebevoll "Der Kleine Kunstbahnhof"! Von nun an ermöglichte Dietmar nicht nur sich selbst mehr Raum und Möglichkeiten, sondern förderte auch viele andere Künstler, die bei ihm lernen, ausstellen und präsentieren konnten. Bis zu seinem Lebensende lebte und liebte er seine Arbeit und hinterließ somit der Kunstwelt einen wundervollen Nachlass voller Schönheit, Kreativität und ewig anhaltender KUNST.
Dietmar wurde durch sein Schaffen, seiner unvergleichlichen Art und seiner Lebensfreude zu einem liebevollen Vater und einem großen Künstler. Sein Tod im Jahre 2020 hinterließ eine sehr große Lücke!
Sein Kunststil und seine Techniken
Betrachtet man seine neueren Werke, die Elemente des Tachismus in sich vereinigen, aber ebenso an Paul Klee, Joan Miro oder stilisierte Batikarbeiten erinnern, so fallen einem besonders die geschwungenen, dynamischen Linien, auf, die bizarren Formen und gezeichneten Fabelwesen, die meistens vor einen farbigen Hintergrund gestellt sind, der unwillkürlich an die Strukturen von Monotypien erinnern.
Hofmann lädt uns zu surrealen Phantasiereisen in märchenhafte Pflanzen- und Mineralreiche ein, in denen urtümliche Vogelwesen und nicht identifizierbare Flugobjekte herumfliegen und rätselhafte, ja archaische Zeichen und Chiffren die Neugier auf bezaubernde Weise fesseln. "Marsianische Impressionen", "Eine Welt auf Tralfamadore 4" oder "fragmenta archaica" lauten daher treffend die Titel seiner Bilder.
Doch wer auf einen ersten, flüchtigen Blick hin schon glaubt, daß dieser freischaffende Maler nur verträumte, unbeschwerte Werke schafft, täuscht sich und muß seine Meinung nach einem zweiten, genaueren Blick korrigieren. In "Modern times" oder seinem Tuschezeichnungenzyklus "Neuzeit" wird der Betrachter mit skurrilen, degenerierten Menschenfiguren, babylonischen Städten mit Fabrikschloten und Roboterwesen konfrontiert. Ein Tribut an die Technik, die eine intakte Natur gefährdet und die Erde aus ihrem natürlichen Gleichgewicht zu bringen droht: Menetekel der heutigen Zeit Und doch: Gerade in diesem Wechsel zwischen idyllischer Traumlandschaft und bedrohter Umwelt, in dieser gut dosierten Mischung zwischen abstrakter und gegenständlicher Malerei liegt der eigenartige Reiz von Hofmanns filigranen Arbeiten.
Der Erfolg gab diesem in Mackenbach und später in eschenau, den kleinen Dörfern bei Kaiserslautern, wohnenden Künstler recht. Ankäufe öffentlicher Institutionen und verschiedene Auszeichnungen (u.a. der Pfalzpreis 1983) sind Resultat konsequent gegangenen Weges. Über 50 Ausstellungen in der Bundesrepublik und im Ausland hat der gebürtige Sudetendeutsche erfolgreich absolviert. Gelegentlich experimentierte er mit neuen Formen der Präsentation seiner Bilder und kombinierte seine Vernissagen multimedial mit Dia- und Musikabenden.
Ganz nebenbei erfuhr man, daß Dietmar E. Hofmann auch Erfinder einer so genannten "Ausschwemmtechnik" ist, einer Technik, der seine verwischten Landschaften ihr Entstehen zu verdanken haben.
Die Ölfarbe wird mit einem Pinsel auf den Malgrund aufgetragen, etwas Terpentin dazu gegeben und die Flüssigkeit auf der Fläche hin und her bewegt. Das fertige, auf diese Weise entstandene Bild wird schließlich mit flüssigem Kunststoff fixiert.
